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Justizfachangestellte/r Ausbildung

Du magst Ordnung, Struktur und Rechtmäßigkeit? Paragrafen und Juristensprache jagen dich nicht auf den nächsten Baum? Dann trifft die Justizfachangestellte/r Ausbildung auf deiner Suche nach einem passenden Werdegang vielleicht genau ins Schwarze. Wenn du das auf den Prüfstand stellen willst – ganz in Justizfachangestellten-Manier – dann liefern wir dir alle Informationen, die du dafür benötigst. Zudem haben wir eine Liste mit Unternehmen parat, die diese Ausbildung anbieten und verschaffen dir einen Überblick über die freien Ausbildungsplätze. Alles fein säuberlich recherchiert, zusammengefasst und zu den Akten gelegt.

Justizfachangestellte/r: Der Beruf im Überblick

Gerichte und Staatsanwaltschaften haben nicht nur in Law & Order oder The Good Fight einiges zu bieten, sondern befassen sich auch im realen, pixelfreien Leben stetig mit neuen und spannenden Fällen. Wenn du bei solchen Serien schnell mitfieberst und dich am liebsten noch am selben Abend in der Realität für Recht und Ordnung einsetzen würdest, ist die Justizfachangestellten Ausbildung vielleicht dein perfekter Einstieg in diese Karrierewelt.

Der Beruf erfordert viel organisatorisches Geschick und Hingabe für Verwaltungsaufgaben. Ein gesundes Maß an sozialer Kompetenz, aber genauso entschlossenes und selbstsicheres Auftreten sind im Ausbildungsalltag gefragt. Natürlich ist auch hier noch kein Meister vom Himmel gefallen und das sichere Auftreten ergibt sich mit der Erfahrung und steigenden Berufsjahren.

Die Justizfachangestellte/r Ausbildung mag ein etwas staubiges Image haben, aber hinter jeder Akte steckt mindestens ein Mensch mit seiner (Schicksals-)Geschichte. Das kann überaus spannend und aufregend sein. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite der Medaille steht allerdings ein großes Belastungspotenzial. Wichtig ist daher, einen gewissen Abstand zum Beruf zu wahren und die Päckchen der Lebensgeschichten nicht auf die eigenen Schultern zu laden.

Justizfachangestellte/r Ausbildung | Verwaltung der Gerechtigkeit

Steckbrief: Justizfachangestelle/r Ausbildung

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Ausbildungsform

duale Ausbildung

Erforderlicher Schulabschluss

mittlere Reife oder Hochschulreife

Ausbildungsgehalt

Zwischen 1.037 und 1.141 Euro (Stand 2021)

Welche Inhalte werden in der Ausbildung vermittelt?

Die Justizfachangestellte/r Ausbildung versorgt den wissbegierigen Auszubildenden zum einen in der Berufsschule mit theoretischem Wissen und zum anderen im Ausbildungsbetrieb mit praktischem Wissen sowie vertiefenden Kenntnissen. Die Inhalte richten sich nach der Verordnung über die Berufsausbildung zum Justizfachangestellten/zur Justizfachangestellten (JFAngAusbV).

Klassische Praxisaufgaben während der Ausbildung können unter anderem sein:

  • Verwaltung von gerichtlichen Akten
  • Schriftstücke anfertigen und beglaubigen
  • Management von Fristen – errechnen, vermerken, überwachen
  • Protokollführung bei Vernehmungen und Verhandlungen
  • Erteilen von Auskünften und gewähren von Akteneinsichten
  • Durchführung von Eintragungen in Grundbücher oder Handelsregister
  • Berechnung von Gebühren
  • Organisation von Veröffentlichungen

In der Berufsschule erwarten dich diese theoretischen Lernfelder:

  • Eintritt in das Berufsleben
  • Beschäftigung im öffentlichen Dienst
  • Wirtschaftliches Handeln im öffentlichen Dienst und in der Gesellschaft
  • Rechtliches Handeln in Beruf und Gesellschaft
  • Mitwirkung in Strafverfahren
  • Mitwirkung in Mahnverfahren und bei der Vorbereitung des Klageverfahrens
  • Mitwirkung in Zivilverfahren einschließlich Zwangsvollstreckung
  • Mitwirkung in familienrechtlichen Angelegenheiten
  • Mitwirkung in Grundbuchangelegenheiten
  • Mitwirkung in Erbschaftsangelegenheiten
  • Rechnergestützte Textverarbeitung
  • Textgestaltung und Textautomation

Wenn du noch genauer wissen willst, aus welchen Unterthemen die Lernfelder bestehen, findest du alle ausführlichen Informationen dazu im Rahmenlehrplan der Justizfachangestellte/r Ausbildung. Diese wird unter anderem vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) zum Download zur Verfügung gestellt. Dort findest du ebenfalls die zuvor erwähnte Verordnung über die Berufsausbildung zum Justizfachangestellten/zur Justizfachangestellten.

Welche Voraussetzungen sind zu erfüllen?

Formale Voraussetzungen

Damit du in den Kreis der Auszubildenden kommen kannst, brauchst du die mittlere Reife oder Hochschulreife. In der Realität wird jedoch meist der höhere Bildungsabschluss gefordert oder zumindest bevorzugt. Laut einer Datenerhebung des BIBB in 2019 gehen fast drei Viertel der Ausbildungsplätze (72 Prozent) an Kandidaten mit Hochschulreife und nur etwas über ein Viertel (28 Prozent) an Kandidaten mit mittlerem Schulabschluss.

Wenn du die mittlere Reife hast, solltest du deshalb nicht den Kopf in den Sand stecken. Mit einem guten Mix aus Selbstbewusstsein, Willen und Überzeugungskraft hast du auch Chancen, einen der Ausbildungsplätze zu ergattern. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Welche Schulfächer sind wichtig?

Mit einer guten Basis an Grundlagenwissen zu starten ist auf jeden Fall sinnvoll. Bei jedem Ausbildungsberuf spielen andere Fachkenntnisse eine Rolle. Bei der Justizfachangestellten Ausbildung nehmen diesen Platz vor allem Deutsch und Mathematik ein.

  • Deutsch: Der Ausbildungsberuf erfordert viel Schriftverkehr, sodass gute Kenntnisse in Rechtschreibung und Interpunktion sowie ein Gespür für passende Formulierungen wichtig sind.
  • Mathematik: Auch Kosten- und Zinsrechnungen können auf dem Aufgabenzettel landen. Wer gut in Mathe ist, hat es an dieser Stelle leichter.
  • Recht: Keine Überraschung, aber dennoch der Vollständigkeit halber auf die Liste zu setzen. Rechtskenntnisse sind hilfreich, aber an dieser Stelle liefert natürlich die Ausbildung alles an Wissen, was du für den Arbeitsalltag benötigst.

Persönliche Voraussetzungen

Die formalen Anforderungen geben dir eine Richtlinie vor, was du benötigst, um einen Ausbildungsplatz als Justizfachangestellte/r zu bekommen. Die persönlichen Voraussetzungen können dir einen Eindruck darüber vermitteln, ob der Ausbildungsplatz zu dir, deinen Fähigkeiten und deinem Charakter passt. Wenn du hinter den meisten Punkten einen Haken setzen kannst, sieht es ganz danach aus, dass du deine passende Ausbildung gefunden hast. Wichtig sind vor allem diese persönlichen Charaktereigenschaften:

  • Soziale Kompetenz
  • Vorliebe für Struktur und Ordnung
  • Sorgfältigkeit
  • Sinn für Gerechtigkeit
  • Verantwortungsbewusstsein
  • Verschwiegenheit
  • Konfliktfähigkeit
Eine junge Frau sitz an einem Computer und führt Protokoll während einer Gerichtsverhandlung.

Wie ist der Ablauf der Justizfachangestellte/r Ausbildung?

Die Ausbildung beginnt in der Regel zum 01. August oder 01. September. Sie gliedert sich in drei Ausbildungsjahre, die dual – also im Betrieb sowie der Berufsschule – absolviert werden. Der Unterricht an der Berufsschule findet an bestimmten Wochentagen statt oder wird in Form von kompakten Blöcken absolviert.

Gut zu wissen: Wer schreibt, der bleibt.

Der Ausbilder hat für dich einen Ausbildungsplan zu erstellen, du musst im Gegenzug ein Berichtsheft führen (§ 14 Abs. 1 Nr. 4 BBiG). Dieses dient der Dokumentation der Lehrinhalte und Fortschritte in der Kenntniserlangung. Das Berichtsheft wird regelmäßig vom Ausbilder eingesehen. Außerdem kann es sein, dass du es bei der Abschlussprüfung vorlegen musst.

Zwischenprüfung

Ungefähr in der Mitte des 2. Ausbildungsjahres steht die Überprüfung des Status quo deines Wissens an – die Zwischenprüfung. Diese erfolgt in Form von schriftlichen Aufgaben mit praktischem Bezug und hat einen zeitlichen Rahmen von maximal 180 Minuten. Gegenstand der Prüfung sind die Fächer:

  1. Gerichtliche Verfahrensabläufe
  2. Büroorganisation
  3. Wirtschafts- und Sozialkunde

Drittes Ausbildungsjahr

Gehören die ersten beiden Ausbildungsjahre sowie die Zwischenprüfung bereits der Vergangenheit an, wartet schon das finale Jahr der Ausbildung auf dich. Sind bestimmte Voraussetzungen gegeben, kann die Ausbildungszeit auf 2,5 Jahre verkürzt werden (§ 8 BBiG).

Abschlussprüfung

Die Ausbildungsjahre sind geschafft, nun steht nur noch die Abschlussprüfung zwischen dir und der Ziellinie. Damit auch diese dir nicht wie eine riesige, unüberwindbare Hürde vorkommt, hier ein detaillierter Eindruck davon, was dich erwartet. Du wirst merken: alles keine Raketenwissenschaft. Generell unterteilt sich die Abschlussprüfung in einen schriftlichen und einen praktischen Teil.

Im schriftlichen Teil erwarten dich dieselben Fächer wie in der Zwischenprüfung, nur werden dieses Mal deine erlernten Kenntnisse aus allen drei Ausbildungsjahren auf den Prüfstand gestellt. Zur Erinnerung, das waren die relevanten Fächer:

  1. Gerichtliche Verfahrensabläufe (max. 120 Minuten)
  2. Büroorganisation (max. 90 Minuten)
  3. Wirtschafts- und Sozialkunde (max. 90 Minuten)

Im praktischen Part stehen die folgende Prüfungen an:

  1. Textverarbeitung (max. 45 Minuten)
  2. Fallbezogene Rechtsanwendung (max. 45 Minuten)

Um die Abschlussprüfung zu bestehen, müssen im Gesamtergebnis (alle Prüfungsfächer zählen gleichwertig) und in mindestens zwei der schriftlichen Prüfungsfächer sowie in der praktischen Prüfung mindestens die Note ausreichend erzielt werden.

Wie kann ich mich bewerben?

Die Bewerbung für die staatliche anerkannte Ausbildung zur/zum Justizfachangestellten erfolgt in der Regel online über ein Bewerbungsportal. Dies ist meist eine übergeordnete Bewerbungsplattform für Justizberufe in einem Bundesland, so zum Beispiel für das Land Nordrhein-Westfalen: www.bewerbungsportal-justiz-nrw.de

Weitere Informationen zum Thema Bewerbung für die Ausbildung findest du in unserem gleichnamigen Ratgeberartikel.

Welches Gehalt wartet während und nach der Ausbildung?

Es ist schön und gut, eine Ausbildung zu finden, die einem thematisch gefällt. Da es den meisten von uns jedoch vergönnt ist, nur von Luft und Liebe zu leben, kommt schnell auch das Thema des Finanziellen auf. Insbesondere bei Ausbildungsvergütungen stellt sich die Frage: Kann ich damit überhaupt meinen Lebensunterhalt stemmen? Daran schließt dann auch gleich die nächste wichtige Frage an: Kann ich nach der Ausbildung genug verdienen, um in finanzieller Hinsicht ein möglichst sorgenfreies Leben zu führen?

Während der Ausbildung

Bei der Ausbildung Justizfachangestellte/r sehen die Voraussetzungen wesentlich besser aus als bei vielen anderen Ausbildungen. Die Ausbildungsvergütung richtet sich nach dem Tarifvertrag für Auszubildende der Länder in Ausbildungsberufen nach dem Berufsbildungsgesetzt (TVA-L BBiG). Mit jedem Jahr, das du gemeistert hast, steigt auch deine Ausbildungsvergütung. Diese sieht aktuell wie folgt aus:

Staffelung der Ausbildungsvergütung Justizfachangestellte/r (Stand 07/2021)

  1. Jahr: 1.037 Euro
  2. Jahr: 1.091 Euro
  3. Jahr: 1.141 Euro

Finanzielle Beihilfe

Wenn du eine eigene Wohnung finanzieren musst, Lebensmittel erst in den Kühlschrank und dann in deinem Magen gelangen sollen und ggf. noch Fahrtkosten entstehen, reicht die Ausbildungsvergütung unter Umständen nicht aus. Die Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) der Agentur für Arbeit kann in diesem Fall eine Option sein, um deine finanziellen Sorgen zu mindern. Welche Voraussetzungen dafür gelten, erfährst du auf der Informationsseite zur Berufsausbildungsbeilhilfe der Arbeitsagentur.

Nach der Ausbildung

Ist der Ausbildungsabschluss gemeistert, steigt dein Gehalt deutlich an. Nach der Ausbildung kannst du mit einem durchschnittlichen Gehalt rechnen. Wie hoch es letztendlich ausfällt, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Im Durchschnitt verdienen Justizfachangestellte 3.454 Euro brutto pro Monat, das Einstiegsgehalt nach der Ausbildung liegt in der Regel zwischen 2.500 und 2.800 Euro.*

*Quelle: Gehaltsvergleich.com, Stand: 08/2021

Beruf und Karriere: Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Nun interessiert dich bestimmt, was nach der erfolgreich abgeschlossenen Justizfachangestellten Ausbildung auf dich wartet. Werfen wir mal einen Blick in die Zukunft. Justizfachangestellte arbeiten bei Verwaltungs-, Zivil- oder Strafgerichten sowie Staatsanwaltschaften. Die Aufgaben fallen dort insbesondere in die Bereiche Organisation und Verwaltung. Schließlich gilt es bei den unzähligen Akten eine gute Ordnung zu pflegen und den Überblick zu behalten.

Viele Justizfachangestellte finden nach ihrer Ausbildung einen Arbeitsplatz in einem Amtsgericht. Es kann aber auch möglich sein, dass dich dein beruflicher Weg zum Beispiel in ein Notariat führt.

Du willst nach der Ausbildung noch hoch hinaus?

Auch das ist möglich – der Beruf Justizfachangestellte/r ist keinesfalls eine Sackgasse. Wenn du dich weiter qualifizieren möchtest, hast du die Möglichkeit, auf der Karriereleiter noch höher zu klettern und zum Gerichtsvollzieher oder zur Justizfachwirtin aufzusteigen.

Gut zu wissen: Wenn die grundsätzlichen Bedingungen gegeben sind, kann auch ein Beamtenverhältnis auf Probe möglich sein.

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