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Kaufmann/-frau für Versicherungen u. Finanzen Ausbildung

Wem vertraut der Deutsche sein Hab und Gut sowie seine finanzielle Zukunft an? Na, seiner Kauffrau für Versicherungen und Finanzen natürlich! Oder seinem Kaufmann. Wenn du gut mit Menschen und Zahlen umgehen kannst, dich die Details von Verträgen und Gebührenordnungen fesseln und du den Schreibtisch auch gegen den Kundenbesuch vor Ort austauschen möchtest, ist das vielleicht der Job für dich! Wir erklären dir, was du in der Ausbildung lernst, wie Gehalt & Karriere aussehen und zeigen dir freie Ausbildungsplätze.

Kaufmann/-frau für Versicherungen u. Finanzen: Der Beruf im Überblick

Fast 449 Millionen Versicherungsverträge existieren derzeit (08/21) in Deutschland, sagt der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Gut, der GDV zählt dabei „nur“ die eigenen Mitglieder an privaten deutschen Versicherern, aber das sind 460 an der Zahl – man kann also getrost davon ausgehen, dass die überwältigende Mehrheit der deutschen Haushalte und Unternehmen mindestens eine, sehr oft mehrere Versicherungen abgeschlossen hat.

Man kann bzw. muss ja auch so viel versichern: Das Auto, die Gesundheit, den Hausrat, die Reise … ganz zu schweigen von all dem, was so durch (eigenes) Missgeschick passieren kann, also gleich noch eine Haftpflichtversicherung (die häufigste private Versicherung in Deutschland) abschließen. Außerdem: Natürlich wächst die Rolle des Internets beim Abschluss von Versicherungen, aber die meisten Menschen schließen ihre Verträge dann doch im persönlichen Kontakt zu einem Versicherungsvermittler ab.

Worauf wir damit hinauswollen? Als Kauffrau oder Kaufmann für Versicherungen und Finanzen hast du eine Menge zu tun! Und wir haben gerade nur das schiere Volumen an Versicherungsverträgen erwähnt, hinter jedem Vertrag steckt so viel mehr als „nur“ ein Händeschütteln und eine Unterschrift. Kaufleute für Versicherungen und Finanzen beraten natürlich, sie kümmern sich aber genauso um die Bearbeitung von Leistungs- und Schadensfällen, informieren über Vertragsänderungen und kennen immer die aktuellen Richtlinien. Sie berechnen Versicherungsprämien, fahren aber auch zur Werkstatt raus, wenn ein/e Kund/in einen Unfall hatte und der Schaden geschätzt werden muss.

Denn nicht nur, dass es so viele Versicherungen gibt, die man kennen muss und auf die man sich spezialisieren kann, es gibt zudem noch den Innen- und den Außendienst, also eher die Verwaltung und Kommunikation am Schreibtisch oder das Herausfahren zu Klienten, häufig abends oder am Wochenende. Ach, und was wir noch gar nicht erwähnt haben: Die Ausbildung zum Kaufmann bzw. zur Kauffrau zu Versicherungen und Finanzen hat nicht umsonst zwei Themen im Titel – es sind zwei Fachrichtungen, nämlich Versicherungen oder Finanzberatung. Auch in der Finanzberatung gibt es viele Aufgabenbereiche und ebenso zahlreiche Produkte, über die man Kunden aufklären kann. Du berätst in diesem Fachbereich in erster Linie zu Finanzanlagen wie Immobilien oder privater Altersvorsorge, hast praktisch ähnliches Wissen wie ein Bankkaufmann und kannst u.a. in Banken arbeiten. Andere Arbeitgeber sind z.B. Finanzdienstleister, Versicherungsunternehmen, -makler und -vermittler sowie Kreditinstitute.

Bevor wir dich aber mit zu vielen Infos direkt zu Beginn überwältigen, gehen wir die Ausbildung doch einmal Schritt für Schritt durch.

Alle Infos
zur Ausbildung

Steckbrief: Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen

Ausbildungsdauer

3 Jahre

Ausbildungsform

duale Ausbildung

Erforderlicher Schulabschluss

gesetzlich keine Mindestvorgabe, die meisten Azubis haben aber die Hochschulreife

Ausbildungsgehalt

ca. 1.070 Euro im ersten Lehrjahr

Ausbildungsinhalte

Da es so viele Versicherungen und Finanzanlagen gibt, gibt es eine Menge in der Ausbildung zu lernen. Zunächst sind die Inhalte für beide Fachrichtungen aber gleich. Falls dich die Details der Ausbildungsverordnung interessieren, findest du hier die „Verordnung über die Berufsausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen/zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen“ als pdf im Rahmen des Service „Gesetze im Internet“ des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz sowie des Bundesamts für Justiz.

Gemeinsame Ausbildungsinhalte beider Fachrichtungen

Es ist ja nicht so, als hätten die Leute, die sich auf Versicherungen spezialisieren, keine Ahnung von Finanzen, und die Finanzspezis wüssten nicht, was eine Krankenhaustagegeldversicherung ist. Schließlich baut die Ausbildung auf einem umfangreichen gemeinsamen Wissen für beide Fachbereiche auf. Laut Ausbildungsverordnung umfasst diese Liste folgende Punkte:

  • der Ausbildungsbetrieb (u.a. Berufsbildung, Personalwirtschaft, Umweltschutz)
  • Arbeitsgestaltung, Kaufmännische Steuerung und Kontrolle (u.a. Datenschutz und Datensicherheit, Anwenden einer Fremdsprache bei Fachaufgaben, Betriebliches Rechnungswesen)
  • Kundenberatung und Verkauf (Vor- und Nachbereitung sowie Durchführung Beratungs- und Verkaufsprozessen)
  • Versicherungs- und Finanzprodukte
  • Bestandskundenmanagement (Vertragsservice, Kundenbetreuung)

Zum Punkt „Versicherung- und Finanzprodukte“ gibt es eine ganze Anlage in der Ausbildungsverordnung, in der die verschiedenen Versicherungs- und Finanzprodukte in ihren jeweiligen Varianten festgehalten sind. Die Kategorien sind:

  • Lebensversicherungen
  • Unfallversicherungen
  • Krankenversicherungen
  • Haftpflichtversicherungen
  • Rechtsschutzversicherungen
  • Kraftfahrtversicherungen
  • Sachversicherungen
  • Finanzprodukte (dazu gehören u.a. Aktien, Schuldverschreibungen, Investmentfonds und Verbraucherdarlehen)

Die betrieblichen Inhalte werden ergänzt durch die schulischen Inhalte, die im Rahmenlehrplan festgelegt sind. Hier lernst du u.a. …

… im ersten Jahr, wie du Kundenkontakte herstellst und Nutzen von Versicherungsprodukten für Privatkunden darstellst und

… im zweiten Jahr, wie du Finanzprodukte für Privatkunden beschreibst und betriebsübliche Kennzahlen ermittelst.

Das ist aber nur ein kleiner Ausschnitt aus einer ganzen Reihe an Punkten, die du in der Berufsschule an allgemeinem Wissen lernst.

Das dritte Jahr der Ausbildung ist das Jahr der Spezialisierung auf einen Fachbereich. Sowohl im Rahmenlehrplan für die Berufsschule als auch im Ausbildungsrahmenplan (du findest diesen als Anlage in der Ausbildungsverordnung für die betrieblichen Inhalte ist dieser Aufbau vorgesehen. Es kann aber aufgrund von Besonderheiten im Ausbildungsbetrieb durchaus vorkommen, dass in der betrieblichen Ausbildung von der sachlichen und zeitlichen Gliederung abgewichen wird.

Tipp: Wir könnten uns vorstellen, dass deine Wahl der Fachrichtung zumindest etwas von den Schwerpunkten im Arbeitsalltag deines Ausbildungsbetriebs abhängt. Sollte dir also klar sein, dass du unbedingt eine bestimmte Fachrichtung wählen möchtest, frag am besten in deinen Bewerbungsgesprächen nach, ob es Präferenzen seitens des Unternehmens gibt, falls die Fachrichtung in der Stellenausschreibung noch nicht genannt wurde (Fragen in Jobinterviews zu stellen ist sowieso immer ein gutes Zeichen für dein Gegenüber, weil es zeigt, dass du dich informierst und ernsthaftes Interesse hast). Allerdings sollte es besonders für große Versicherungen kein Problem sein, beide Fachrichtungen auszubilden. Achte auf solche Details am besten schon bei der Stellenausschreibung – in unserer Ausbildungsplatzbörse findest du eine Menge davon!

Achtung: Du entscheidest dich schon vor Beginn deiner Ausbildung für eine Fachrichtung und sogar für die verschiedenen Wahlqualifikationseinheiten, die wir gleich vorstellen! Überlege also am besten schon bevor du nach einem Ausbildungsplatz suchst, welche Fachrichtung dir mehr zusagt. Eventuell bietet dein zukünftiger Ausbildungsbetrieb je nach den Gegebenheiten im Unternehmen nur einige der acht Module für die Fachrichtung Versicherungen bzw. nur einige der vier Module für die Fachrichtung Finanzberatung an – das ist doch auch direkt ein spannendes Thema für dein Vorstellungsgespräch!

Fachrichtung Versicherung

Wenn du dich für die Fachrichtung Versicherung entscheidest, steht „Schaden- und Leistungsbearbeitung“ auf jeden Fall auf deinem Ausbildungsplan. Darüber hinaus wählst du zwei im Ausbildungsvertrag festzulegende Wahlqualifikationseinheiten aus einer Liste mit folgenden acht Optionen (je nach Ausbildungsbetrieb ist die Auswahl ggf. kleiner):

  • Kundengewinnung und Bestandsausbau (Gewinnung von Neukunden, Ausbau bestehender Kundenbeziehungen)
  • Marketing
  • Steuerung und Verkaufsförderung in der Vertriebseinheit (Steuerung und Verkaufsförderung in der Vertriebseinheit)
  • Risikomanagement (Risikoanalyse, Antragsannahme)
  • Vertrieb von Produkten der betrieblichen Altersvorsorge (Kundenberatung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Angebot und Antrag)
  • Vertrieb von Versicherungsprodukten für Gewerbekunden (Kundenberatung, Angebot und Antrag)
  • Optimierung von Kundenbeziehungen und Versicherungsbeständen (Optimierung von Kundenbeziehungen, Optimierung von Versicherungsbeständen)
  • Schadenservice und Leistungsmanagement

In der Berufsschule erwirbst du im dritten Jahr speziell auf deine Fachrichtung und deine Wahlmodule zugeschnittene Kenntnisse und Fähigkeiten. Dazu gehört im Pflichtmodul Schaden- und Leistungsbearbeitung zum Beispiel, wie du Sachverhalte beurteilst und Leistungen dem Grunde und dem Umfang nach feststellst.

Fachrichtung Finanzberatung

In der Fachrichtung Finanzberatung gibt es ebenfalls einen festen Punkt für alle zukünftigen Kauffrauen und -männer: „Anlage in Finanzprodukte“. Hinzu kommen zwei Wahlqualifikationen, die du aus diesen vier Punkten wählst (auch hier ist es möglich, dass der Ausbildungsbetrieb Vorgaben macht):

  • Finanzierungsberatung von gewerblichen Kunden
  • Optimierung von Finanzproduktbeständen der Kunden
  • Private Immobilienfinanzierung und Versicherungen
  • Vertrieb von Produkten der betrieblichen Altersvorsorge (Kundenberatung von Arbeitgebern und Arbeitnehmer/innen, Angebot und Antrag)

Auch hier ergänzt der Stundenplan in der Berufsschule im dritten Jahr speziell deine Fachrichtung. Dazu gehören im Pflichtmodul Anlage in Finanzprodukte zum Beispiel die Finanzanlagesituation der Kunden zu analysieren sowie Anlagemotive und Risikoprofile ermitteln.

Neuordnungsverfahren

Achtung: Der Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau für Versicherungen und Finanzen befindet sich gerade in einem Neuordnungsverfahren! Nach der Teilnovellierung von 2014 sollen die Inhalte und der Ablauf der Ausbildung (noch) zeitgemäßer, kompetenzorientierter und ganzheitlicher gestaltet werden. Dazu gehören laut Infoseite des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zur Neuordnung unter anderem folgende Punkte:

  • größerer Schwerpunkt auf die Anforderungen der Digitalisierung, u.a. „hybride Wahlqualifikation“, die versicherungsfachliches Wissen mit IT-Inhalten verbindet
  • stärkere Betonung eines ganzheitlichen Beratungsansatzes, z.B. durch Kundenbedarfsfelder wie Mobilität und Gesundheit
  • Streckung der Abschlussprüfung in zwei zeitlich getrennte Teile, wodurch die Zwischenprüfung ersetzt werden soll

Die Änderungen sollen nach jetzigem Stand (08/21) zum 1. August 2022 in Kraft treten, wir halten dich auf dem Laufenden!

Voraussetzungen

Formale Voraussetzungen

Es gibt keinen gesetzlich vorgeschriebenen Schulabschluss, den du für die Ausbildung zum Kaufmann oder zur Kauffrau für Versicherungen und Finanzen bräuchtest. Allerdings werden in der Praxis überwiegend Bewerber/innen mit Hochschulreife eingestellt.
So hatten 2019 71 Prozent der Ausbildungsanfänger/innen in der Fachrichtung Versicherung die Hochschulreife, 25 Prozent einen mittleren Bildungsabschluss und drei Prozent einen Hauptschulabschluss. Nur ein Prozent hatte keinen Hauptschulabschluss.

In der Fachrichtung Finanzberatung ist die Aufteilung zwischen Hochschulreife und mittlerem Bildungsabschluss ein wenig angeglichener: 2019 hatten 55 Prozent der Anfänger/innen die Hochschulreife, 37 Prozent die mittlere Reife und sechs Prozent einen Hauptschulabschluss. Keinen Hauptschulabschluss hatte auch hier ein Prozent.

Übrigens haben im Jahr 2019 deutlich mehr Azubis in der Fachrichtung Versicherung angefangen: 4.353 (zu 375 in der Fachrichtung Finanzberatung).

Zum Beginn deiner Ausbildung musst du eine ärztliche Erstuntersuchung durchlaufen, wenn du unter 18 Jahre alt bist. Damit du an einer Berufsschule angenommen wirst, musst du darüber hinaus einen Vertrag mit einem Ausbildungsbetrieb haben.

Persönliche Voraussetzungen

Das hört sich bis jetzt alles noch etwas abstrakt an? Kein Wunder, „Krankenhaustagegeldversicherung“ oder „Verbraucherdarlehen“ sind ja auch Begriffe, mit denen man erst mal klarkommen muss. Du musst jetzt nicht wissen, was das heißt, es sollte dich nur nicht abschrecken!

Gebührenordnungen, Schadensbeschreibungen und Leistungsbedingungen, betriebliche Altersvorsorge und Schuldverschreibungen – das sind nicht für Jede/n die spannendsten Themen, um ganz ehrlich zu sein. Aber: Es sind Themen, die fast alle Menschen auf die eine oder andere Art und Weise einmal betreffen und sie brauchen Expert/innen, die ihnen genau erklären können, was sich hinter Vertragsklauseln versteckt und was zu tun ist, wenn das Auto eine Beule hat.
Als Kauffrau oder Kaufmann für Versicherungen und Finanzen musst du Menschen oft bei wirklich existenziellen Entscheidungen zur Seite stehen: Ist eine Lebensversicherung sinnvoll, wenn man Single ist? Was kann man tun, wenn die gesetzliche Rente später nicht reicht? Das Wissen über gesetzliche Regelungen und Vertragsbedingungen, dein Geschick mit dem Taschenrechner und deine Empathie, mit der du erfragen und einschätzen kannst, was dein Gegenüber in einer bestimmten Lebenssituation wirklich braucht – all das gibt Menschen ein sichereres Gefühl, hilft in einer Notlage oder sichert ein stabiles Auskommen im Alter. Das ist eine Menge Verantwortung und erfordert viel Sorgfalt. Natürlich solltest du gerne mit Menschen kommunizieren und dich auf Kundengespräche gut vorbereiten. Wie genau man ein Kundengespräch führt, lernst du aber detailliert in der Ausbildung.

Gleichzeitig müssen dir Zahlen und Kalkulationen Spaß machen und Paragrafen dürfen dich nicht völlig verscheuchen – Rechnungswesen, Kosten- und Leistenrechnung und Rentabilitätsberechnungen stehen in beiden Fachrichtungen auf dem Ausbildungsplan und Arbeit im Büro geht damit Hand in Hand. Außerdem musst du Vertragsregelungen und Finanzprodukte nicht nur verstehen, sondern sie auch Otto oder Ottilie Normalverbraucher/in erklären können. Dafür fährst du dann öfter mal zu deinen Kund/innen – Außendienst ist nichts Ungewöhnliches für Kaufleute für Versicherungen und Finanzen. Arbeit an Abenden oder an Wochenenden, also dann, wenn dein Klientel Zeit hat, ist keine Ausnahme. Allerdings gibt es sicherlich – vor allem in großen Versicherungsunternehmen – die Option, sich nach der Ausbildung eher auf Innen- oder Außendienst zu fokussieren, im Prinzip bietet bzw. fordert der Beruf aber beides. Flexibilität, Stressresilienz und die Fähigkeit, auch an einem Freitagabend noch die Tierhalter-Haftpflichtversicherung erklären zu können, kommen dir da sehr entgegen.

Einige Schulfächer können Indikatoren sein, ob dir der Beruf liegen wird. Du musst keine Spitzenleistungen in ihnen erzielt haben, aber wenn du an ihnen Spaß hattest, ist das kein schlechtes Zeichen. Dazu gehören:

  • Mathe: Du brauchst Kenntnisse in Mathe, wenn du an Vertragskonditionen arbeitest oder wenn du im Kundengespräch mal kurz am Taschenrechner überschlägst, was in etwa an Kosten auf dein Gegenüber zukommt.
  • Wirtschaft/Recht: Für das Rechnungswesen ist ein wirtschaftliches Vorwissen vorteilhaft bzw. einfach ein gutes Gefühl für Kosten und Nutzen von bestimmten Produkten. Rechtsvorschriften können wichtige Faktoren für das Finanzwesen oder Versicherungsregelungen sein.
  • Deutsch: Du wirst mit Sicherheit nicht „Faust“ interpretieren müssen, aber gutes schriftliches und verbales Ausdrucksvermögen ist für die Kundenkommunikation sehr wichtig, damit sich die Leute bei dir gut beraten fühlen.
  • Englisch: Besonders große Unternehmen arbeiten auch international, das Anwenden einer Fremdsprache bei Fachaufgaben ist sogar fester Teil des Ausbildungsplans.

Ablauf

Deine Ausbildung absolvierst du sowohl in deinem Ausbildungsbetrieb als auch in der Berufsschule. Der Berufsschulunterricht wird entweder als Blockunterricht organsiert, für den du dann längere Zeit am Stück zur Schule gehst, oder aber er wird in deine Arbeitswoche integriert.

Übrigens: Die Regelausbildungsdauer liegt bei drei Jahren, prinzipiell kann die Ausbildungszeit aber verkürzt werden. Dafür musst du Rücksprache mit deinem Ausbildungsbetrieb halten und zusammen mit diesem einen entsprechenden Antrag an die zuständige Kammer stellen.

Prüfungen

In der Ausbildung zur Kauffrau bzw. zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen gibt es derzeit (08/21), durch die geplante Reform soll sich das ändern, siehe oben) noch eine Zwischenprüfung und eine Abschlussprüfung. Die Zwischenprüfung soll in der Mitte des zweiten Ausbildungsjahres und die Abschlussprüfung am Ende deiner Ausbildungszeit stattfinden.

Die Zwischenprüfung wird schriftlich in maximal drei Stunden und sieht für beide Fachrichtung dieselben drei Prüfungsgebiete vor:

  • Arbeitsorganisation und Kommunikation
  • Dienstleistungen in der Versicherungswirtschaft
  • Wirtschafts- und Sozialkunde

Für die Abschlussprüfung gibt es dann unterschiedliche Schwerpunkte je nach Fachrichtung. Schauen wir uns zunächst einmal die Fachrichtung Versicherung an.

Abschlussprüfung Fachrichtung Versicherungen

Die Abschlussprüfung für die Versicherungsfans besteht aus zwei schriftlichen und zwei mündlichen Prüfungen. Der schriftliche Teil gliedert sich wiederum in zwei Prüfungsbereiche mit unterschiedlichen Bearbeitungszeiten:

  • Versicherungswirtschaft sowie Schaden- und Leistungsbearbeitung (180 Minuten)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten)

Die mündlichen Prüfungen bestehen aus einem etwa 20-minütigen simulierten Kundengespräch einerseits und einem fallbezogenen Fachgespräch über maximal 15 Minuten andererseits. Für letzteres bereitest du zwei betriebliche Fachaufgaben mit Reporten vor, jeweils eine für jede deiner Wahlqualifikationen. Der Prüfungsausschuss sucht dann eine davon für das Fachgespräch aus.

Die einzelnen Teile werden für das Prüfungsgesamtergebnis unterschiedlich gewichtet, und zwar folgendermaßen:

  • Versicherungswirtschaft sowie Schaden- und Leistungsbearbeitung: 40 Prozent
  • Wirtschafts- und Sozialkunde: 10 Prozent
  • Kundenberatungsgespräch: 25 Prozent
  • Fallbezogenes Fachgespräch: 25 Prozent

Abschlussprüfung Fachrichtung Finanzberatung

Auch die Abschlussprüfung in der Fachrichtung Finanzberatung besteht aus zwei schriftlichen und zwei mündlichen Prüfungen. Die zwei schriftlichen Prüfungsbereiche sind

  • Versicherungswirtschaft und Anlage in Finanzprodukte (180 Minuten)
  • Wirtschafts- und Sozialkunde (60 Minuten)

Die mündlichen Prüfungen teilen sich wie bei den Kolleg/innen vom Versicherungsteam in ein simuliertes Kundengespräch zu maximal 20 Minuten und ein fallbezogenes Fachgespräch zu höchstens 15 Minuten auf. Für das Fachgespräch gilt auch hier, dass du zwei betriebliche Fachaufgaben schriftlich vorbereitest, das Prüfungskomitee dann eine Aufgabe aussucht und du dich mit ihnen fachlich unterhältst.

Die Gewichtung der Prüfungsteile entspricht der der Fachrichtung Versicherung:

  • Versicherungswirtschaft und Anlage in Finanzprodukte: 40 Prozent
  • Wirtschafts- und Sozialkunde: 10 Prozent
  • Kundenberatungsgespräch: 25 Prozent
  • Fallbezogenes Fachgespräch: 25 Prozent
Kauffrau für Versicherungen und Finanzen berät Kunden

Bewerbung

Um dich zu bewerben, brauchst du zunächst einmal die passende Stelle – schau dafür doch am besten gleich einmal in unsere Ausbildungsplatzbörse!

Bewerbungen schreiben liegt nicht allen Menschen, aber vielleicht kennst du ja jemanden, der dir gerne hilft. Mit „helfen“ meinen wir übrigens Korrekturlesen und Tipps geben, wie du deine Interessen und Fähigkeiten am besten darstellst. Auf keinen Fall solltest du dir deine Bewerbungen schreiben lassen oder sie copy-pasten! Nicht nur, weil Personalchefs Standardvorlagen erkennen, auch lesen sich Floskeln nicht so, dass man die Person dahinter kennenlernen möchte. Wenn dich das Berufsbild wirklich anspricht und es deinen Fähigkeiten entspricht, findest du sicherlich einen Weg, das überzeugend rüberzubringen. Außerdem hast du als zukünftige/r Kaufmann oder Kauffrau für Versicherungen und Finanzen mit Sicherheit schon eins: Die Fähigkeit, zu präsentieren und zu erklären! Warum dann nicht auch dich und deine Fähigkeiten? Und falls du noch haderst: Wir haben einige Tipps für dich zusammengestellt, die dir eine Stütze sein sollen. Du findest sie in unserem Artikel Bewerbung für die Ausbildung.

Achte ebenfalls darauf, wie und bis wann Unternehmen deine Bewerbung bekommen möchten (in der Regel per Mail oder über ein Bewerbungsportal).

Gehalt

Während der Ausbildung

In vielen Ausbildungen hängt die Ausbildungsvergütung häufig von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel davon, in welchem Bundesland man arbeitet, in welcher Branche, wie groß der Ausbildungsbetrieb ist und ob er nach Tarif bezahlt.

Laut den Angaben der Agentur für Arbeit zu den durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen kannst du aber im ersten Ausbildungsjahr überregional mit einem Bruttoverdienst um 1.070 Euro rechnen. Dies gilt sowohl für die Fachrichtung Versicherung als auch für die Fachrichtung Finanzberatung. Das ist eine sehr feste Größe, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Lebenshaltungskosten in den Bundesländern unterschiedlich hoch sind, was sich für gewöhnlich auf die (Ausbildungs-)Gehälter niederschlagen kann. Praktischerweise sind die Tarifangaben für das private Versicherungsgewerbe, auf das sich die Agentur für Arbeit bezieht, aber für ganz Deutschland einheitlich.

Beachte bitte: Diese Angaben der Agentur für Arbeit orientieren sich an den tarifvertraglichen Regelungen, du hast also deshalb leider nicht in jedem Betrieb Anspruch auf eine Vergütung in den genannten Rahmen.

Das Gute ist, ob tarifvertraglich gebunden oder nicht: Deine Ausbildungsvergütung steigt jedes Jahr. Und nicht nur das, seit Januar 2020 gibt es eine gesetzliche geregelte Mindestausbildungsvergütung für Azubis, wenn kein Tarifvertrag greift!

Dir steht laut dem Berufsbildungsgesetz § 17 eine Mindestvergütung von

  • 585 Euro Bruttomonatsgehalt im ersten Ausbildungsjahr,
  • 690,30 Euro Bruttomonatsgehalt im zweiten Ausbildungsjahr,
  • 789,75 Euro Bruttomonatsgehalt im dritten Ausbildungsjahr und
  • 819 Euro Bruttomonatsgehalt im vierten Ausbildungsjahr

zu, wenn du deine Ausbildung im Jahr 2022 beginnst. Die Mindestvergütung für Auszubildende wurde 2020 eingeführt. Der Betrag, der dir im ersten Ausbildungsjahr zusteht, erhöht sich jedes Jahr. Wenn du deine Ausbildung also erst 2023 beginnst, erhältst du mehr Geld als jetzt. Während deiner Ausbildung bekommst du außerdem nicht jedes Jahr das gleiche Gehalt. So kannst du dich in deinem zweiten, dritten und vierten Jahr über mehr Geld freuen. Als Grundlage für die Berechnung dient das Gehalt deines ersten Ausbildungsjahres. Folgende Prozentsätze, die auch im Berufsbildungsgesetz festgelegt wurden, werden je nach Lehrjahr, in dem du dich befindest, hinzuaddiert:

  • für das zweite Jahr: 18 Prozent
  • für das dritte Jahr: 35 Prozent
  • für das vierte Jahr: 40 Prozent

Es kann allerdings (zumindest theoretisch) passieren, dass du eine Ausbildung mit Tariflohn absolvierst, der geringer ausfällt als diese Mindestausbildungsvergütung, da diese Regelung eben nur dort greift, wo kein Tarifrecht gilt.

Nach der Ausbildung

Nach der Ausbildung hängt dein Verdienst vermutlich von mehreren Faktoren ab, denn zu Kriterien wie Betriebsgröße und Region kommen im Laufe der Zeit noch deine Berufserfahrung sowie etwaige Zusatzqualifikationen und/oder Weiterbildungen hinzu.

Das durchschnittliche Gehalt von Kaufleuten für Versicherungen und Finanzen kann sich durchaus sehen lassen: Die Agentur für Arbeit gibt als Orientierung bei beiden Fachrichtungen eine Spanne von 2.833 bis 3.234 Euro brutto monatlich an (beispielhafte tarifliche Bruttogrundvergütung). Gehalt.de bewegt sich mit den Angaben in einem ähnlichen Bereich zwischen 2.488 und 3.340 Euro für 50 Prozent der Gehälter. (Stand jeweils 08/21)

Brutto und netto

Von deinem Bruttogehalt werden Steuern und Sozialabgaben abgezogen, es ist also leider nicht das, was auf deinem Konto landet. Je nach deinen Lebensumständen (ob du zum Beispiel ledig bist oder Kinder hast), landest du in einer anderen Steuerklasse. Deshalb sind Gehaltsangaben immer Bruttobeträge – was netto rauskommt, also auf deinem Konto eingeht, ist individuell unterschiedlich.

Karrierechancen als Kaufmann/-frau für Versicherungen u. Finanzen

Dass der Job recht sicher ist, hast du dir inzwischen vielleicht schon gedacht – bei der Liebe der Deutschen zu Ihren Ver- und Absicherungen sieht es nicht nach einem kompletten Einbruch bei Abschlüssen von Versicherungen und Finanzanlagen aus. Dementsprechend gibt es genügend Arbeitsorte, von Versicherungsunternehmen über Versicherungsmakler zu Banken oder der eigenen Agentur.

Dass das Internet für Vertragsabschlüsse mehr genutzt wird, sollte dich unseres Erachtens ebenfalls nicht zu sehr beunruhigen: Der persönliche Kontakt ist vor allem dann wichtig, wenn das Internet nicht genau erklären oder verstehen kann, was ein Mensch braucht und möchte, oder wenn ein Schaden vorliegt und ein offenes Ohr nötig ist. Außerdem entwickelt sich das Ausbildungsbild noch mehr hin zu digitalen Anforderungen wie z.B. durch die geplante Einbeziehung von IT-Inhalten. Was uns dazu bringt, dass man sich als Kaufmann oder-frau für Versicherungen und Finanzen immer wieder neues Wissen aneignen muss, um auf dem Laufenden zu sein, zum Beispiel wenn es um Vertragskonditionen oder gesetzliche Regelungen geht.

Fortbildungen sind eine gute Möglichkeit, um dein Wissen aktuell zu halten. Vor allem, falls du in einem großen Unternehmen landest, kommst du eventuell sogar in den Genuss interner Schulungen. Darüber hinaus gibt es Aufstiegsfortbildungen, die dir einen Karriereboost geben: Für deinen Fachbereich bietet sich etwa der/die Fachwirt/in für Versicherungen und Finanzen oder der/die Fachwirt/in für Finanzberatung an.

Auch immer noch eine Option nach der Ausbildung, selbst, falls du es momentan nicht in Erwägung ziehen solltest: ein Studium. Das kannst du berufsbegleitend machen, im Fernstudium oder du brichst noch einmal zu neuen Ufern auf und stürzt dich ganz ins Studentenleben. Viele wirtschaftlich geprägte Studiengänge sind für jemanden, der schon kaufmännisch gearbeitet hat, eine passende Option. Es gibt übrigens auch einige duale Studiengänge, die auf den Bereich Finanzen und/oder Versicherungen abzielen, solltest du jetzt schon mit dem Gedanken liebäugeln. Dabei kannst du – je nach Studienmodell – sogar einen Bachelor und eine Ausbildung absolvieren. So oder so verbindest du im dualen Studium Theorie und Praxis. Du findest zu dieser Ausbildung verwandte duale Studiengänge unter anderem in den Bereichen Versicherung, BWL, Vertrieb oder Krankenkasse.

Über die Links gelangst du zu unserem Partnerportal Wegweiser-Duales-Studium.de, auf dem du zahlreiche Informationen zum dualen Studium findest.

Vor allem nach einer Ausbildung und mit Berufserfahrung kannst du unter Umständen sogar ohne Abi studieren. Lies dazu gerne unseren Artikel Artikel „Studieren ohne Abitur“ auf unserem Partnerportal Das-Richtige-studieren.de.

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